Bonner Folkmusik Szene bringt Menschen zusammen // Deutschlandpremiere von Billy Braggs “Ode to Joy”

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Beeinflusst von irischer und amerikanischer Folkmusik schreibt Sebastian Landwehr Lieder über Geschichten, die ihn persönlich bewegen. Die Zukunft Europas und der Erhalt der EU bewegen ihn ebenfalls. Deshalb hat er letzten Sonntag an der Bonner Pulse of Europe Demo vor dem alten Rathaus teilgenommen. Er wollte seine Stimme erheben für ein friedliches und vereintes Europa im Einklang mit tausenden von Menschen auf dem Kontinent.

Der Bonner Sänger und Guitarist hat vor ein paar Monaten sein Debut-Album (“Der rote Faden”) veröffentlicht. Neben drei eigenen deutschen Liedern hat er als Deutschlandpremiere eine modernisierte englische Version der “Ode to Joy” vorgestellt, geschrieben von dem britischen Folksänger und Punk-Rock Legende Billy Bragg.

“Für mich ist Billy Braggs Ode to Joy eine Erinnerung an die Zerbrechlichkeit der europäischen Einheit. Wir sollten uns bewusst machen, dass ein solcher Staatenbund keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Privileg ist, für das wir mit vereinten Kräften einstehen sollten”, sagt Landwehr.

Beethoven’s Ode an die Freude ist seit 1972 die offizielle Europa-Hymne. Großbritanien ist der EU (damals noch Europäische Wirtschaftsgemeinschaft genannt) im Januar 1973 beigetreten.

Braggs re-imagined “Ode to Joy” Version wurde vor zehn Jahren in London uraufgeführt bei der Wiedereröffnung der Royal Festival Hall.  In dem “Following the Ninth” Dokumentarfilm erklärt Bragg, wie es zu der neuen englischen Ode Version kam, die sogar bei Queen Elizabeth II. großen Anklang fand. (Der Songtext ist unten.) 

Billy Bragg wird Ende November iin Köln spielen. (Photo ©️ Michael Barbour)

Sebastian Landwehr könnt Ihr wieder hören bei einem kostenlosen Singer-Songwriter Konzertabend im BonnLAB am 22. Juli.  Songs 4 Life ist eine Konzertreihe, bei dem vier Künstler oder Bands einen musikalischen Abend gestalten.

Der Pulse of Europe soll am 4. August wieder auf dem Bonner Marktplatz zu hören sein. Die Veranstaltung beinhaltet stets ein offenes Mikrophon und ein gemeinsames Singen der Europa-Hymne. Das Ziel dieser Kundgebungen ist, die europäische Idee wieder sichtbar und hörbar zu machen und gemeinsam gegen den zunehmenden Rechtspopulismus in Europa aufzustehen.

Pulse of Europe wurde 2016 als eine Grasswurzel-Initiative in Frankfurt geboren. Heute hat die pro-europäische, unparteiische Bürgerbewegung Ableger in über 130 Städten in 20 europäischen Ländern. Sie bewegt tausende von Bürgern dazu, für die europäische Idee auf die Straße zu gehen.

Auch Billy Bragg macht sich für Europa und dem Verbleib seines Landes in der EU stark. Er ist ein vehementer Brexit-Gegner und gehörte zu den prominenten Unterstützern der REMAIN Kampagne.

Bragg ist seit über 30 Jahren das musikalisch politische Gewissen Großbritanniens – wenn er nicht gerade überwältigend schöne und traurige Liebeslieder schreibt oder zusammen mit der amerikanischen Band Wilco das Erbe Woodie Guthries neu vertont.

Jetzt erhebt Bragg seine Stimme gegen den Rechtspopulismus und antwortet so deutlich, wie man es von ihm gewohnt ist. Er schnallt sich die elektrische Gitarre um und geht solo auf eine Bridges Not Walls  Tour.  Seine fünfmonatige Tournee durch Nordamerika und Europa hat er vergangenen Sonntag beim  Manchester International Festival   gestartet. Im November wird sie mit vier Konzerten in Deutschland enden, darunter ein Konzert in Köln am 27. November im Gloria Theater.

Bekannt als “the one-man Clash” singt Bragg seit 1978 mit Rock Against Racism gegen Fremdenhass an. Seine erste Platte „Life’s A Riot With Spy Vs Spy“ hat er 1983 herausgebracht. Aufgenommen mit einem Budget von 100 Pfund wurde sie 90.000 Mal verkauft. Mit diesen denkwürdigen 16 Minuten und sieben Songs brannte Bragg sich als Folksänger in die Ohren der Postpunk-Generation. Protestsongs waren hinterher nicht mehr dasselbe.

„Musik kann die Welt nicht verändern“, schätzt Bragg heute seine Möglichkeiten ein, „aber sie hat die Macht, Menschen zusammenzubringen. In entzweienden Zeiten wie im Moment ist das schon ein guter Anfang.“

Menschen durch Musik zusammenbringen, ist auch das Ziel von John Harrison. Der britische Folk Singer, der seit den frühen 80er Jahren in Bonn lebt, hat den Pulse of Europe – Bonn im Juni musikalisch mitbegleitet. Dabei hat er die englische Ballade “The World Turned Upside Down” gesungen, die Billy Bragg 1985 in die Charts gebracht hat.

“Das Lied wurde von Leon Rosselson im Jahr 1975 komponiert. Es handelt von den Diggers und Levellers, die Mitte des  17. Jahrhunderts die Vision für eine neue soziale gerechtere Ordnung (‘a common treasury’) entwickelt haben,” erklärt Harrison.

John Harrison (Foto: Folk Club Bonn)

Harrison ist Mitgründer des Folk Club Bonn. Das ist eine Gruppe von Musikern aus aller Welt, die monatliche informelle Meetups organisiert mit rein akustischer Musik. Der Folk Club trifft sich jeden ersten Freitag des Monats (19 -22 Uhr) in der Gaststätte Dotty’s (ehemals Sträters Sports Bar) in Dottendorf. Das Thema diesen Freitag (7. Juli) ist “Kreis- und Additonslieder”. Die Veranstaltung ist umsonst und jeder ist herzlich willkommen.

Folk Music Freunde können sich auch auf die Fiesta Viktoria am 15. Juli freuen (Eintritt frei). Bei der 3. Kulturnacht rund um das Vikoria-Viertel treten eine Reihe von lokalen Liedermachern auf, wie Marit , Suzan Köcher und Luis Schwamm. Die Fiesta beginnt um 18 Uhr  und  bietet bunte  Kunst und Kultur an allen Ecken: Konzerte im Kiosk, DJ-Sets im Friseursalon, Poetry Slam im Bioladen.

Ode to Joy (re-imagined by Billy Bragg)

See now like a Phoenix rising

From the rubble of the war

Hope of ages manifested,

Peace and freedom ever more.

Brothers, sisters, stand together,

Raise your voices now as one

Though by history divided,

Reconciled in unison!

 

Throw off now the chains of ancient

Bitterness and enmity

Hand in hand let’s walk together

On the the path of liberty

Hark! A new dawn is breaking

Raise your voices now as one.

Though by history divided,

Reconciled in unison!

 

What’s to be then, oh my brothers?

Sisters, what is in your hearts?

Tell me now the hopes you harbour

What’s the task and where to start?

Though speak ten million voices

Every word is understood:

Furnish every heart with joy

And banish all hatred for good.

 

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