#Arts4Climate // Europa Revisited – Kunst und Klima aus dem Saarland bei der COP23

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Dolphin Sculpture (Photo: Astrid Hilt)

Kunst und der Klimawandel sind grenzenlos. Niemand ist vor den Folgen der Erderwärmung sicher, egal, wo wir uns auf dem Planeten aufhalten. 

Wir freuen uns, dass die Künstlerin und Klima-Aktivistin Astrid Hilt zu unserem interkulturellen COP23 Arts & Storytelling Projekt Kunst aus dem Saarland beigesteuert hat. Ihr Delfin war das Herzstück der GreenDrinks Bula Welcome Party am Eröffnungstag der Klimakonferenz. 

Hilt hatte die Holz-Skulptur mit ihrer syrischen Künstler-Freundin  Reham Al-Nojoom  vor zwei Jahren gemeinsam gefertigt für ein COP21 Kunstprojekt. Sie wollten mit ihr als ein Symbol für Frieden und Harmonie nach Paris reisen, doch das Projekt wurde nach den Pariser Terroranschlägen abgesagt. 

Nach der Pop-Up-Exhibit in The 9th ist der Delfin in die “Das Klima und Ich”  Ausstellung der Kunstbrennerei (Kölnstr. 139, 53111 Bonn) gereist, die noch bis Freitag läuft (19-22 Uhr). Danach wird er im Frauenmuseum (Im Krausfeld 10, 53111 Bonn) zu sehen sein im Rahmen der “Ikonen der Nachhaltigkeit” Ausstellung.  

Was hat das Klima mit uns zu tun? Wie kann man das Klima schützen? Wie hängen Klimawandel, Migration und Flucht zusammen? Die „Das Klima und Ich“ Ausstellung eröffnet unterschiedliche künstlerische Perspektiven und Zugänge, gibt Antworten und wirft Fragen auf. In der Gemeinschaftsausstellung sind zwei weitere Werke aus der Kunst-Initiative Zores.Saarland zu sehen. Astrid Hilt erklärt in dem Gastbeitrag, was es mit Zores und den Kunstwerken auf sich hat. 

Von Astrid Hilt

Jetzt hat er’s doch noch geschafft: der Delfin wird im Rahmen des Welt-Klimagipfels zu sehen sein. Allerdings nicht, wie ursprünglich geplant in Paris, sondern zwei Jahre später auf der COP23 Fiji in Bonn.

Unglaublich, was sich in der Zwischenzeit alles ereignet hat: der Spiritwalk nach Paris zusammen mit meinem Mann und einem Respect Earth Freund zur 2015 Klimakonferenz, der uns zwei Wochen nach den Anschlägen zunächst unmöglich erschien, sich aber unterwegs als eine willkommene und von der französischen Bevölkerung mit Freuden aufgenommene Aktion herausstellte.

Was für uns ein einmaliges Erlebnis war, 14 Tage zu Fuß auf Wanderschaft “on the road to Paris”, die intensive Begegnungen mit Menschen und der Natur, brachte den Leuten in Frankreich ein Stück Normalität zurück in den durch die Attacken verursachten Ausnahmezustand.

Später begleitete uns der Delfin ein kleines Stück auf der Ausstellungsreihe “Dialog der Kulturen” im Geist der Verbundenheit zwischen den Menschen, die im Saarland zusammengefunden haben – alteingesessene wie neu dazu gekommene. Grenzüberschreitend hat der Delfin nun seinen  Weg über verschiedene Stationen zur COP23 in die Bundeshauptstadt gefunden.

Zores – Kommunikation durch Kunst

Zu Beginn dieses Jahres formte sich aus diesem Geist die Kunst-Initiative Zores.saarland, die dem viel besungenen “kulturellen Unterschied” mit künstlerischen Mitteln ‘auf den Zahn fühlen’ will. Was passiert denn wirklich, wenn unterschiedliche Kulturen aufeinander treffen? An einem Wochenende im September haben wir uns diverser Frage gestellt.

Erinnerungen und Neuanfang

Es sind wunderbare Werke dabei herausgekommen. Das Thema “Flucht” wurde interessanter Weise eher von europäischen Kunstschaffenden aufgegriffene als von denen, die sie selbst erleben mussten. Deren Themen drehten sich vielmehr um Erinnerungen und Neuanfang.

So kommt es zu der Auswahl an Werken, die mit nach Bonn kamen: der Delfin als Schutztier der Menschen auf See – der allein durch diese Idee heilsam auf Menschen wirkt, die auf katastrophal gefährliche, aber auch durchaus abenteuerliche Weise über das Mittelmeer nach Europa reisen mussten und die beiden Arbeiten aus alten Schullandkarten von ‘Deutschland nach 1945’ (“die Schutzfliehenden”) und Europa (“Europe revisited”), in denen Flucht und Migration auf unterschiedliche, überraschende Weise thematisiert werden.

Zu sehen sind die Arbeiten bis Freitag, den 10.11. in der Kunstbrennerei. Zumindest der Meeressäuger wird anschließend noch ein Weilchen im Bonner Frauenmuseum herumschwimmen. Ob die Karten-Kunstwerke auch noch einen Platz finden, muss sich erst noch zeigen.

Europe Revisited

Europa Revisted (Foto: Klaara Nieminen)

In dem Kunstwerk “Europe Revisted” setzt sich die finnische Künstlerin Klaara Nieminen mit ihrer Idee von Europa und überholten Grenzlinien auseinander. Eine alte Landkarte Europas nach dem zweiten Weltkrieg diente ihre als Leinwand, um die Grenzen zu öffnen, nicht für Neuankömmlinge, sondern auch in den Köpfen von Menschen, die diese nationalistischen Grenzen einst gezogen haben und zum Teil immer noch ziehen.

Die Schutzflehenden

Landkarten sind auch für den saarländischen Künstler Pascal Kiefer lediglich eine Momentaufnahme der Wirklichkeit, mit einem recht kurzen Verfallsdatum. Grenzen verschieben sich, Flüsse verändern ihren Lauf, Länder hören auf zu existieren und neue Länder erscheinen auf der Landkarte. Durch seine Eingriffe will er die Relativität des Kartenwerkes unterstreichen.

Die Schutzflehenden (Foto: Pascal Kiefer)

“Formal erreiche ich durch das Zerschneiden eine Auflösung des rechteckigen Formates und transformiere es zu einer neuen Gestalt. Mit dem Umklappen von Kartenteile verbinde ich die Rückseite mit der Vorderseite und umgekehrt,” sagt Kiefer.

Es entsteht ein fragiles Gebilde das sich erweitert hat. Während der Arbeit stellte er sich die Frage, welche Menschen wohl an jenem oder diesem Ort leben.

“Was bedeutet es, dass Grenzen Menschen voneinander trennen?  Grenzen bestimmen Schicksale, Menschen sind in Bewegung, sind auf der Flucht, bitten um Asyl, Hilfe suchende Hände erzählen davon. Menschlichkeit ist bedeutender als jegliches Regelwerk,” so Kiefer.

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