Was hat Bonn bereits für ein nachhaltiges Stadtleben und den “New Green Deal” zu bieten? Erstaunlich viel, stellt Ronja Brockhage vom “Team Energiewende” fest

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#100IsNow – Wie lässt sich die Wende zu einer CO2-neutralen Zukunft lokal beschleunigen? 

Die Energiewende so zu gestalten, dass sie den Bedürfnissen der Menschen entspricht, ist der Leitgedanke der 100 prozent erneuerbar Stiftung. Sie sitzt in Berlin und hat Anfang des Jahres die Initiative “Team Energiewende” gestartet. Das Team besteht aus jungen Botschafterlnnen, die über den lokalen Umstieg auf erneuerbare Energien und nachhaltiges Leben berichten. Ihre persönliche Erfahrungen und Erkenntnisse teilen sie auf diesem Blog und in den sozialen Medien.

Zum Team gehört Ronja Brockhage, die im Herbst nach Bonn gezogen ist für ein Master-Studium in Naturschutz und Landschaftsökologie. Die Neubonnerin hat sich zunächst auf Suche nach bestehenden lokalen Initiativen und Gruppen begeben. “Je länger ich recherchiert habe, desto mehr habe ich gefunden. Ich hätte nie gedacht am Ende so eine Bandbreite an nachhaltigen Orten in Bonn zu finden”, sagt sie.

Ihr erster Überblicksartikel über Bonns vibrierende Nachhaltigkeitsszene ist unten als Gastbeitrag zu lesen.

GreenDrinks meets Team Energiewende

Beim nächsten GreenDrinks Bonn Meetup am 12. Februar wird Brockhage das Projekt “Team Energiewende” Interessierten näher vorstellen. (Wann: 19 – 21 Uhr, Wo: Bonnum, Paulstr. 5, 53111 Bonn)

Laut einer aktuellen Umfrage des Potsdamer Nachhaltigkeits-Instituts IASS halten 80 Prozent der Deutschen die Energiewende “für eine gute Sache”. Doch das Tempo des Umbaus geht vielen (58 Prozent) zu schleppend voran, berichtete der Klimareporter im Januar. Die Hälfte der Befragten sahen soziale Gerechtigkeit bei der Energiewende zu wenig berücksichtigt.

Die Energiewende wird oft in Zahlen, technischen Fakten oder politischen Forderungen kommuniziert. Das Team Energiewende möchte persönliche Geschichten erzählen und Handlungsoptionen aufzeigen, wie LeserInnen den Wandel unterstützen und aktiv mitgestalten können.

Denn eine dezentrale und gemeinschaftliche Energiewende sei für einen wirksamen Klimaschutz unverzichtbar. “Die Gestaltung dieses Wandels kann nicht nur den PolitikerInnen und Energieunternehmen überlassen werden. Sie braucht Menschen, die davon berichten und eine Bevölkerung, welche die Chancen der Energiewende erkennt und nutzt”, so Brockhage.

Demo zum Erhalt des Hambacher Waldes – Laut Umfragen befürwortet die Mehrheit der Deutschen einen zügigen Kohleausstieg (Foto: Sandra Prüfer)

Nachhaltiger Lifestyle in der Stadt – Was hat Bonn zu bieten?

Gastbeitrag von Ronja Brockhage

Im Oktober bin ich für mein Studium nach Bonn gezogen. Im Vergleich zu Frankfurt, wo ich vorher studiert habe, ist Bonn zunächst einmal deutlich kleiner und gemütlicher. Als ich auf der Suche nach Initiativen war, um mich hier wieder engagieren zu können, stieß ich erstmal auf eine geringere Auswahl. Das war mir in Frankfurt einfacher gefallen. Ich habe daher begonnen etwas gründlicher zu recherchieren und habe am Ende eine wirklich erstaunliche Menge an nachhaltigen Initiativen, Veranstaltungen und Orten gefunden.

Warum war mir es wichtig nachhaltige Themen in Bonn zu finden?

Gerade wenn man neu in einer Stadt angekommen ist, kennt man meistens kaum jemanden. Neben KommilitonInnen oder ArbeitskollegInnen, welche man schnell kennenlernen wird, ist es schön auch Kontakte außerhalb des Studiums und der Arbeit zu finden. Ich habe zudem festgestellt, wie bereichernd es für mich war, mich ehrenamtlich zu engagieren und der Gesellschaft etwas zurück zu geben.  

Was habe ich in Bonn dabei entdeckt?

Je länger ich recherchiert habe, desto mehr habe ich gefunden. Ich hätte nie gedacht am Ende so eine Bandbreite an nachhaltigen Orten in Bonn zu finden. Mittlerweile habe ich an einigen Veranstaltungen teilgenommen und schon einiges ausprobiert. Das waren sehr spannende Erfahrungen und vor allem trifft man auf Menschen mit einer ähnlichen nachhaltigen Lebensweise und fühlt sich direkt verbunden. Ich hoffe, ich kann Euch mit diesem Artikel etwas inspirieren und Ihr entdeckt dadurch neue Facetten in eurer Stadt.  

Nachhaltige Orte in Bonn

1. Newsletter

  • Bonn Sustainability Portal: Das Portal sammelt alle Informationen von seinen Partnern (GIZ, Uni, WorldCC Bonn, und weitere) rund um Nachhaltigkeit in Bonn. Im Newsletter werden u.a. die nächsten Veranstaltungen vorgestellt, sowie aktuelle Themen zu Nachhaltigkeit aus der Politik. Das war mein erster Anlaufpunkt hier in Bonn und ich habe schon an einigen Veranstaltungen teilgenommen. Vorher konnte ich mir beispielsweise noch nichts unter einem Schnippel-Talk vorstellen. Nun weiß ich was das ist: Ich habe dort neues zu globalen Ernährungsproblemen gelernt, gemeinsam gekocht und gerettete Lebensmittel verwertet, welche sonst in die Tonne gekommen wären. Sowas und viele weitere Veranstaltungen werden im Newsletter vorgestellt.
  • Bonn im Wandel: Bonn im Wandel ist ebenfalls eine Webseite, welche Informationen zu verschiedenen Themen sammelt und einen ausführlichen Newsletter versendet. Es werden dort u.a. Themen und lokalen Initiativen zur Essbaren Stadt Bonn, REconomy, Ressourcenschonung, Klimaschutz und vieles mehr behandelt. Es lohnt sich den Newsletter zu abonnieren und direkt über alle Neuigkeiten informiert zu sein. Vor allem ist es toll um die lokalen Initiativen besser kennen zu lernen. Vielleicht findet ihr dort ein Projekt, welches eure Ziele verfolgt, und wo ihr euch gerne engagieren wollt.  

2. Orte des Zusammenkommens

  • Bonn Green Drinks: Einmal im Monat trifft sich die Gruppe Green Drinks zum Austausch und Beisammensein. Dabei ist jeder willkommen, der sich für die Umwelt und/ oder Green Economy interessiert. Zu jedem Treffen werden 1-2 besondere Gäste eingeladen, welche in der Branche tätig sind und an dem Abend etwas dazu erzählen.
  • Alte VHS: Die alte VHS in Bonn ist ein ganz besonderer Kulturraum und Veranstaltungsort geworden. Im Vordergrund steht das gemeinsame Beisammensein, das Mitmachen und aktiv werden. Und so sieht auch das Veranstaltungsprogramm aus. Es lohnt sich einmal reinzuschauen oder spontan vorbei zu gehen. 

3. Alles rund um nachhaltige Ernährung & Lebensmittel

  • Foodsharing: Foodsharing ist eine mittlerweile weltweite Initiative, welche sich gegen die Verschwendung von Lebensmittel einsetzen. Als Foodsaver kann man aktiv dabei helfen und gerettete Lebensmittel von z.B. Supermärkten abholen und verteilen. Zudem gibt es in Bonn aktuell 9 Fairteiler. Dies sind offene Kisten in denen gerettetes Essen abgelegt werden kann. Jeder kann dort nicht verwendete Lebensmittel hinzufügen oder entnehmen. Erst in dieser Woche habe ich ein ganzes Abendessen nur aus den geretteten Lebensmitteln zubereitet. Man spart Geld und tut dabei noch etwas Gutes 
  • Regionale Wochenmärkte: Im Stadtgebiet Bonn gibt es ganze 12 Wochenmärkte. Zwei davon sind sogar vollkommen ökologisch und verkaufen nur Bio-Produkte. Der Bauernmarkt in der Altstadt verkauft nur regionale Produkte.
  • Unverpackt-Läden: Der Laden Freikost Deinet verkauft fast ausschließlich unverpackte Lebensmittel. Die beiden Bioläden Himmel und Erde und der Momo Bioladen bieten einige Lebensmittel unverpackt an. Bei Momo gibt es auch Kisten mit reduziertem Obst und Gemüse, wenn es bereits ein paar kleine Macken hat. So wird auch dort gegen die Lebensmittelverschwendung angekämpft.
  • Solidarische Landwirtschaft: Bei meinen Recherchen bin ich auf zwei solidarische Landwirtschaften gestoßen. Wer das Konzept nicht kennt: Gemeinschaftlich baut man regional und ökologisch die Lebensmittel an. Dabei zahlt jeder einen Monatsbeitrag und hilft ab und zu auf dem Feld mit. Dafür bekommt man jede Woche eigenes Obst und Gemüse und ist für das ganze Jahr damit versorgt. In Bonn gibt es das Hanfer Hofgemüse und die solidarische Landwirtschaft in Bonn.
  • Urban Gardening: Unter dem Link findet Ihr eine Auswahl an Urban Gardening Projekten. Ein weiteres Projekt davon, welches nicht dort aufgezählt ist, ist von StadtFrüchtchen. Urban Gardening steht meistens für einen öffentlichen Garten, welcher gemeinschaftlich gepflegt, angepflanzt und geerntet wird.

4. Alles rund um Second-hand, Teilen & Reparieren

  • Fair Fashion: Die Webseite sauber-kleidung.de hat Bonn bereits genauer unter die Lupe genommen und den Bonner Einkaufsführer für faire Mode erstellt. Bei einer Befragung aus dem Jahr 2013 kam heraus, dass 61 Läden in Bonn öko-faire Bekleidung anbieten. 17 davon werden im Einkaufsführer genauer beleuchtet. Zu allen 61 Läden gibt es die Kurzinfo, wie viel Prozent der Kleidung öko und/oder fair ist. Es werden zudem 12 Second-Hand Läden aufgeführt.  Der Bonner Einkaufsführer für faire Mode ist kostenlos auf der Webseite verfügbar.
  • Repair-Café: Unsere Wegwerf-Gesellschaft steht zu Recht zunehmend unter Kritik und so werden die Repair-Cafés immer beliebter. In Bonn hat fast wöchentlich eines der sieben Repair-Cafés geöffnet. Unter dem Motto Hilfe zur Selbsthilfe kann jeder kaputte oder nicht-funktionstüchtige Geräte mit Hilfe von Hobby-Bastlern reparieren. Auf der verlinkten Webseite findet ihr alle Termine und Repair-Cafés aufgelistet.
  • Rheinauen-Flohmärkte: Von März bis Oktober findet einmal im Monat der Rheinauen-Flohmarkt statt. Er gilt als einer der größten und beliebtesten Flohmärkte in Deutschland. Dort bieten über 1.000 Aussteller auf 4 km Länge ihre Waren zum Verkauf an.

5. Mobilität

  • Nextbike: Bonn hat sich zum Ziel gesetzt spätestens 2020 die Fahrradhauptstadt Nordrhein-Westfalens zu sein. Schon jetzt sind gerade unter den StudentInnen alle mit einem Fahrrad unterwegs. Seit Oktober gibt es den Fahrrad-Verleih Nextbike in der Stadt.  500 der geplanten 900 Nextbikes sind bereits im Stadtgebiet einsetzbar und werden von über 14.000 Menschen genutzt. StudentInnen und Besitzer eines VRS-Tickets oder ÖPNV-Abos fahren pro Tag eine halbe Stunde kostenlos. Damit kommt man in Bonn schon ganz schön weit. Zudem tut man etwas Gutes für die Umwelt. Gerade abends oder nachts, wenn der Nahverkehr nicht mehr regelmäßig fährt, ist es eine super Alternative. Es hat mir schon einige Male die lästige Wartezeit erspart und ich bin spontan nach Hause geradelt.
  • Klimaticket Bonn: Seit dem 01. Januar können 17.000 Klimatickets in Bonn erworben werden. Diese, auch 365 € – Tickets genannt, sind deutlich günstiger als andere ÖPNV-Angebote und ermöglichen die Nutzung im gesamten Stadtgebiet. So kann das vielleicht ein Anreiz sein um vom Auto auf die Bahn umzusteigen.

Wem dies noch nicht genug war, der kann sich noch diese zwei Karten ansehen, welche ich am Ende meiner Recherche entdeckt habe: Einmal die Bonner Karte der Nachhaltigkeit – ein Projekt vom Bonn Sustainability Portal, sowie Karten nachhaltiger Orte, welche in Zusammenarbeit von kartevonmorgen, dem Bonn Sustainability Portal sowie Bonn blüht und summt entstanden ist. Diese Karten zeigen noch weitere spannende Orte und Initiativen und geben einen schönen Überblick über die Lage der Orte.

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